Programmvorschläge

Saison 2018-2019

Poetische Preludes in der slawischen Musik.

Chopins Préludes gelten Kennern der romantischen Klaviertradition als Inbegriff des Poetischen. 24 Stücke in denen Chopin eine vielfältige Palitre der Gefühlen zeigt. . Blitzschnell verändert Chopin dabei die Klangfangfarben und Stimmungen: ständig wechseln da die Emotionen und der Ausdruck.  Ein Zyklus durch die zwölf Dur- und Molltonarten nach dem Vorbild der Präludien von Bach, dessen größter Teil 1838 auf Mallorca entstanden ist, während eines Winterurlaubs, den Chopin mit seiner Geliebten George Sand und ihren Kindern auf der spanischen Insel verbrachte. Szymanowskis Werke werden oft als eine Symbiose von mehreren Einflüssen beschrieben, manchmal auch als polnischer Impressionismus bezeichnet. Sicherlich hat sich der Komponist von der französischen und russischen Moderne, insbesondere von Strawinski und Ravel, inspirieren lassen.  Sein op.1 liegt noch in der romantischen Tradition der Musik seines Landsmannes F.Chopin. 9 Preludes, die er im Alter von 19 Jahre geschrieben hat, zeigen eine unglaubliche Tiefe und Reife. Zu Zeiten Karol Szymanowskis war das Land weit von jeder Stabilität entfernt, was der Musik des komposito­rischen Pioniers Szymanowski deutlich anzuhören ist. Der Name Vasyl Barvinskis war für lange Zeit in Verges­senheit geraten, nachdem ihn die Sowjetmacht regelrecht vernichtet hatte. Erst heute, 130 Jahre nach seiner Geburt, erklingt seine Musik wieder in Europa. Das Präludium, bisweilen lyrisch, bisweilen dramatisch, trägt die typischen Züge der slawischen Musik zu Beginn und erzeigt eine berührende Atmo­sphäre der damaligen Salonmusik.

Frédéric Chopin
24 Preludes op.28 (1836-1839)
Pause
Karol Szymanowski 9 Preludes, Op. 1 (1901)
Vasyl Barvinsky 5 Preludes (1908)

Saison 2019-2020

Briefe ohne Worte“

Ludwig van Beethoven schrieb seinen Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ im April 1816, also etwa 100 Jahre zuvor, ebenfalls zu einem traurigen Anlass im Auftrag für seinen langjährigen Gönner, den böhmischen Fürsten Franz Joseph von Lobkowitz, dessen geliebte Gattin am 24. Januar 1816 überraschend gestorben war. Ein adliger Freund schreibt dazu in sein Tagebuch: „Der Fürst befand sich in den folgenden Tagen in einem schräcklichen Zustande ganz wie vernichtet“ und Lobkowitz überlebte seine Frau dann auch nur um etwas mehr als 10 Monate und verstarb noch im gleichen Jahr. Franz Liszt transkribierte diesen ersten Liederzyklus Beethovens dann während seiner Weimarer Zeit um 1850 für das Klavier. Eine der wohl bemerkenswertesten Eigenschaften der Musik besteht darin, dass sie ganz ohne Worte so viel zu sagen vermag. Dies gilt in besonderem Maße für Robert Schumann, der Clara seine Gedanken mitzuteilen pflegte, indem er ihr auf dem Klavier vorspielte. Ihr Vater hatte ihnen den Briefkontakt untersagt und so war die Musik oft ihre einzige Möglichkeit, einander nah zu sein.

Der Klavierzyklus Fantasiestücke besteht aus acht Stücken, ein jedes davon eine lyrische Perle. Künstlerisch will der Zyklus Fantasiestücke die innerliche Lebenswelt des Menschen erschließen, die Welt seiner Gefühle, die Erlebniswelt des romantischen Helden.

Die gleiche lyrische Stimmung zeichnet auch Mendelssohns Lieder ohne Worte aus: Dem Lied entlehnt der Komponist dabei die Fähigkeit, jede Lebensregung unmittelbar wiederzugeben, indem es die Ausdruckskraft der menschlichen Stimme auf eine ganz neue Ebene hebt. In diesen Miniaturen, die das Siegel des Künstlerischen und Edlen tragen, eröffnet sich die seelische Welt Mendelssohns als eines Lyrikers und Poeten.

Der ukrainische Lyriker des 20. Jahrhunderts Nestor Nizhankovsky bedient sich in seinen Briefen einer moderneren Sprache. Die Suite

 »Briefe an sie«, entstanden 1929, erinnert an das Genre des Briefromans bzw. Romantagebuchs. Zur grundlegenden Entwicklungsmethode avancieren dabei Leitmotive, was einen Vergleich mit den Werken Franz Liszts nahelegt. Ein Kenner von Nischankowskis Werk kommentiert diese Suite: »Eine Handvoll ausdrucksstarker, bildhafter Miniaturen mit gelungenen, lakonischen Klangmalereien«.

Ludwig van Beethoven „An die ferne Geliebte“
Robert Schumann „Fantasiestücke“ op.12
Felix Mendelssohn-Bartholdy Lieder ohne Worte (Auswahl)
Nestor Nizhankovsky „Briefe an sie“